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Stoff mit Strich: Mehrbedarf für Samt, Cord, Nicki und Fleece

Bei Stoff mit Strich müssen alle Schnittteile in dieselbe Richtung zeigen. Einen festen Zuschlag dafür gibt es nicht: In den Beispielen unten reicht der Mehrbedarf von nichts bis 23 cm, je nach Schnitt und Stoffbreite. Alle Zahlen stammen aus berechneten Zuschneideplänen, die du herunterladen und nachrechnen kannst.

Welche Stoffe einen Strich haben

Strich nennt man die Richtung, in der Flor oder Fasern liegen. Streichst du mit der Hand darüber, fühlt sich der Stoff in einer Richtung glatt an und in der anderen rau. Je nach Richtung wirkt er heller oder dunkler. Typisch sind Samt, Cord, Nicki und andere Velours, Fleece mit Flor, Webpelz und viele Mantelwollen. Glänzende Stoffe wie Satin sehen je nach Lichteinfall ebenfalls verschieden aus.

Beim Zuschnitt gleich zu behandeln sind Motive mit Richtung: Tiere, Schrift oder Blumen, die alle nach oben zeigen sollen. Ein um 180 Grad gedrehtes Teil steht sonst auf dem Kopf.

Welche Richtung nach oben zeigt, ist eine Gestaltungsfrage. Im Nähblog von Trendschnitt werden Cord und Samt gegen den Strich zugeschnitten und haarige Wollstoffe mit dem Strich (Trendschnitt, Stoffverbrauch-Tabelle). Für die Stoffmenge zählt nur, dass alle Teile gleich liegen.

Woher der Mehrbedarf kommt

Ohne Strich darf jedes Teil auch um 180 Grad gedreht liegen. Schrägen und Rundungen greifen dann ineinander, ein schmales Ende passt neben ein breites. Mit Strich fällt diese Möglichkeit weg. Mehr Stoff brauchst du nur dort, wo eine gedrehte Lage vorher wirklich Platz gespart hat.

Gegengleiche Paare sind kein Problem. Auf längs gefaltetem Stoff schneidest du beide Teile durch zwei Lagen, und beide Lagen haben denselben Strich. Faltest du dagegen quer, zeigt die obere Lage in die Gegenrichtung. Bei Stoff mit Strich schneidest du den Stoff deshalb quer durch und legst die zweite Hälfte in derselben Richtung auf.

Die Zahlen

Schnitt und Stoffbreiteohne Strichmit Strichmehr
Hoodie Hugo, 140 cm1,78 m1,91 m+13 cm (7 %)
Hoodie Hugo, 150 cm1,48 m1,71 m+23 cm (16 %)
Hoodie Hugo, 160 cm1,44 m1,44 mkein
T-Shirt Teagan, beide Teile im Bruch, 140 und 150 cm1,42 m1,42 mkein
T-Shirt Teagan, Rückennaht, 140 und 150 cm1,00 m1,02 m+2 cm (2 %)
T-Shirt Teagan, beide Teile im Bruch, 110 cm1,54 m1,67 m+13 cm (8 %)
T-Shirt Teagan, Rückennaht, 110 cm1,23 m1,42 m+19 cm (15 %)
Sweatshirt Sven, beide Teile im Bruch, 140 cm1,88 m1,88 mkein
Sweatshirt Sven, beide Teile im Bruch, 150 cm1,71 m1,71 mkein
Sweatshirt Sven, Rückennaht, 140 und 150 cm1,35 m1,37 m+2 cm (1 %)
Mantel Carlton, Oberstoff, 150 cm3,47 m3,47 mkein
Halbkreis-Umhang, 110 cm lang, gegengleiche Bahnen, 140 und 150 cm2,56 m2,56 mkein

Alle Pläne auf längs gefaltetem Stoff, nur der Umhang offen in einer Lage. Die Schnitte sind FreeSewing Hugo, Teagan, Sven und Carlton, die Kreisbahnen des Umhangs habe ich selbst gezeichnet. Größen, Nahtzugaben und Teilelisten stehen in den Quellen unten. Ich entwickle PatternNest, mit dem alle Pläne berechnet sind. Der Artikel steht in keiner Verbindung zu FreeSewing.

Hoodie: 150 cm kosten am meisten

FreeSewings Hugo ist ein Hoodie mit Raglanärmeln, Kängurutasche und gefütterter Kapuze. FreeSewing nennt Velours und Fleece ausdrücklich als Alternativen zu Sweatstoff und plant rund 2 m ein. Gerechnet sind alle 14 Teile aus dem Oberstoff, die Bündchen kommen aus Bündchenware.

Auf 150 cm, gefaltet 75 cm breit, liegt ohne Strich ein Ärmel gedreht, seine Schräge läuft an der Raglanschräge des Rumpfteils daneben entlang: 1,48 m. Mit Strich zeigt er in dieselbe Richtung wie alle anderen Teile, und das passt dort nicht mehr: 1,71 m, 23 cm mehr.

Auf 140 cm kostet der Strich 13 cm, auf 160 cm nichts: Gefaltet sind dort 80 cm Platz, und die Pläne mit und ohne Strich sind gleich lang. Nicki mit Strich in 160 cm Breite braucht mit 1,44 m sogar weniger als Sweat ohne Strich in 150 cm. Es lohnt sich, beide Breiten zu rechnen.

Zwei Zuschneidepläne für den Hugo-Hoodie auf 150 cm Stoff, längs gefaltet: ohne Strich 1,48 m, mit Strich 1,71 m.
Hugo-Hoodie auf 150 cm, längs gefaltet. Oben dürfen Teile gedreht liegen, unten zeigen alle in dieselbe Richtung. Die schmale Bahn am Ende ist die Halsblende, die einlagig zugeschnitten wird. Zum Vergrößern auf das Bild tippen.

Wann der Strich nichts kostet

Beim T-Shirt und beim Sweatshirt liegen Vorder- und Rückenteil im Bruch hintereinander und die Ärmel daneben. Gedreht passt nichts besser, die Länge bleibt gleich. Mit Rückennaht sind es 2 cm mehr. Beim Carlton-Mantel aus dem Sherlock-Holmes-Beispiel braucht der Oberstoff 3,47 m mit und ohne Strich, beim Halbkreis-Umhang aus dem Umhang-Ratgeber 2,56 m.

Der Umhang zeigt auch, was mit Samt nicht geht. Hat ein Stoff keine rechte und linke Seite, darfst du die zweite Bahn gedreht zuschneiden und sparst 39 bis 46 cm. Samt hat immer eine rechte Seite und einen Strich, dieser Trick fällt weg.

Schmaler Stoff: hier wird es teuer

Auf 110 cm Breite bleibt gefaltet kaum Platz neben den großen Teilen. Das T-Shirt mit Rückennaht braucht dort 1,23 m, wenn Teile gedreht liegen dürfen, und 1,42 m mit Motivrichtung, 19 cm mehr. Mit beiden Teilen im Bruch sind es 1,54 m gegen 1,67 m.

Die Prozentwerte in der Tabelle reichen von 0 bis 16. Ein fester Zuschlag ist deshalb entweder zu knapp oder verschenkt Stoff. Rechne lieber beide Varianten mit deinen Teilen.

Zwei Zuschneidepläne für das Teagan-T-Shirt mit Rückennaht auf 110 cm Stoff: ohne Motivrichtung 1,23 m, mit Motivrichtung 1,42 m.
Teagan-T-Shirt mit Rückennaht auf einem 110 cm breiten Rest. Oben dürfen Teile gedreht liegen, unten zeigen alle in dieselbe Richtung. Zum Vergrößern auf das Bild tippen.

So rechnest du deinen Mehrbedarf

  1. Lade die Schnittteile mit Nahtzugabe in PatternNest. Die senkrechte Richtung der Zeichnung läuft im Plan entlang der Webkante. Prüfe, dass alle Teile in der Datei aufrecht stehen. Steht eines kopfüber, drehst du es mit zweimal „90° drehen“.
  2. Stell alle Teile auf „Winkel halten (0/180°)“, wähle Stoffbreite und Stofflage und klicke auf „Plan berechnen“. Notiere die Länge.
  3. Stell alle Teile auf „Einbahn (Nap)“ und rechne neu. Der Unterschied ist der Mehrbedarf für genau deine Teile und deine Breite.
  4. Rechne jede Breite, die du kaufen könntest. Die günstigste Breite ist mit Strich nicht immer dieselbe wie ohne.
  5. Schlag die Reserve getrennt dazu: Vorwaschen, Musterabgleich und ein Schnittfehler brauchen eigenen Stoff.

Herunterladen und nachrechnen

Die .pnest-Dateien enthalten Teile und Einstellungen. Öffne sie in PatternNest mit „.pnest öffnen“ und klicke auf „Plan berechnen“. Die SVG-Dateien sind die Zuschneidepläne im Maßstab 1:1, so wie PatternNest sie exportiert.

Weiterlesen

Wenn der Stoff ganz knapp ist, zeigt der Ratgeber Stoff reicht nicht, was Falten, Teilen und Stückeln bringen. Für Kapuzenpullis gibt es den Ratgeber zum Stoffverbrauch für einen Hoodie, für Röcke aus Cord oder Samt den Ratgeber Wie viel Stoff für einen Rock? und für Kreisschnitte den Tellerrock-Ratgeber.

Quellen

Hoodie: FreeSewing Hugo, Beispielmaße "cisMaleAdult42" (Brustumfang 110,5 cm), 10 mm Nahtzugabe. Oberstoff laut FreeSewing: Vorderteil und Rückenteil im Bruch, 2 Ärmel, Tasche im Bruch, 2 Taschenbelege, 4 Kapuzenseiten, 2 Kapuzenmittelteile, Halsblende.

T-Shirt: FreeSewing Teagan, "cisFemaleAdult36" (Brustumfang 97,9 cm), 10 mm Nahtzugabe, Halsstreifen 6 × 58 cm. Sweatshirt: FreeSewing Sven, "cisMaleAdult42", 10 mm Nahtzugabe. Mantel: FreeSewing Carlton, "cisMaleAdult42", 32 Teile, gerechnet im Sherlock-Holmes-Beispiel.

FreeSewing Hugo, Teagan und Sven: Entwurf und Code Joost De Cock. FreeSewing Carlton: Entwurf Joost De Cock und Anneke Caramin, Code Joost De Cock. Alle unter MIT-Lizenz, exportiert mit FreeSewing 4.10.2. Layoutberechnung und Artikel: Cayan / Madegrain.