Stoffbreite umrechnen: Länge × alte Breite ÷ neue Breite, und wann das nicht reicht
Stoffbreite rechnet man meist über die Fläche um: neue Länge = alte Länge × alte Breite ÷ neue Breite. Ich habe die Formel an vier offenen FreeSewing-Schnitten gegen echte Zuschneidepläne auf 110, 140 und 150 cm gehalten. Mal lag sie 1 cm daneben, mal 62 cm, zu viel wie zu wenig. Hier steht, woran das liegt und wie du sicherer umrechnest. Die Pläne kannst du herunterladen und nachrechnen.
Die Formel
Die übliche Umrechnung hält die Stofffläche gleich: neue Länge = alte Länge × alte Breite ÷ neue Breite. Braucht ein T-Shirt auf 150 cm Breite 1,42 m, sind es auf 110 cm nach der Formel 1,42 × 150 ÷ 110 = 1,94 m.
Für eine schnelle Schätzung ist das in Ordnung. Die Formel tut aber so, als ließen sich die Schnittteile beliebig umverteilen. Ob ein Teil neben ein anderes passt oder nicht, weiß sie nicht. Auch nicht, ob der Stoff gefaltet ist oder einen Strich hat. Gerechnet habe ich sie deshalb an vier Schnitten auf 110, 140 und 150 cm gegen echte Zuschneidepläne. In 16 Vergleichen lag sie zwischen 1 und 62 cm daneben, mal zu viel, mal zu wenig.
Für amerikanische Schnitte: 45 Zoll sind 114,3 cm, 60 Zoll sind 152,4 cm, ein Yard sind 91,44 cm. Rechne mit der Breite, die du nachmisst, ohne Webkanten. 110 und 115 cm oder 150 und 152 cm sind verschiedene Stoffe.
Das Beispiel
Gerechnet sind vier offene Schnitte von FreeSewing: das T-Shirt Teagan (5 Teile mit Halsstreifen), der Hoodie Hugo (14 Teile), die Hose Chino Charlie (18 Teile) und das Hemd Simon (19 Teile). Alle vier hat Joost De Cock entworfen und programmiert, alle sind quelloffen unter MIT-Lizenz.
Exportiert habe ich sie mit FreeSewing 4.10.2 und 10 mm Nahtzugabe, Teagan mit FreeSewings Beispielmaßen "cisFemaleAdult36", die anderen mit "cisMaleAdult42". Gerechnet ist mit 1 cm Rand an den Webkanten und 1 cm Abstand zwischen den Teilen, Teile dürfen um 180 Grad gedreht liegen. Längs gefaltet heißt: Webkante auf Webkante, so wie PatternNests Faltplan legt. Was gefaltet nicht passt, wie der Halsstreifen, kommt einlagig ans Ende. Eine Lage heißt: Stoff offen, Teile im Bruch ganz zugeschnitten.
Ich entwickle PatternNest, mit dem die Pläne berechnet sind. Der Artikel steht in keiner Verbindung zu FreeSewing.
| Schnitt, Zuschnitt | 110 cm | 140 cm | 150 cm |
|---|---|---|---|
| T-Shirt Teagan, längs gefaltet | 1,54 m | 1,42 m | 1,42 m |
| T-Shirt Teagan, eine Lage | 1,16 m | 0,86 m | 0,75 m |
| Hoodie Hugo, längs gefaltet | 2,20 m | 1,78 m | 1,48 m |
| Hoodie Hugo, eine Lage | 2,00 m | 1,53 m | 1,48 m |
| Chino Charlie, längs gefaltet | 2,53 m | 2,32 m | 2,31 m |
| Chino Charlie, eine Lage | 2,32 m | 2,09 m | 1,60 m |
| Hemd Simon, längs gefaltet | 2,55 m | 2,12 m | 2,06 m |
| Hemd Simon, eine Lage | 2,28 m | 1,74 m | 1,61 m |
Formel gegen Plan
Ausgangspunkt ist jeweils der Plan auf 150 cm. Die Formel rechnet ihn auf 140 und 110 cm um, daneben steht der echte Plan auf dieser Breite.
| Schnitt, Zuschnitt | 150 cm, Plan | auf 140 cm | auf 110 cm |
|---|---|---|---|
| T-Shirt Teagan, längs gefaltet | 1,42 m | Formel 1,52 m Plan 1,42 m 10 cm zu viel | Formel 1,94 m Plan 1,54 m 40 cm zu viel |
| T-Shirt Teagan, eine Lage | 0,75 m | Formel 0,80 m Plan 0,86 m 6 cm zu wenig | Formel 1,02 m Plan 1,16 m 14 cm zu wenig |
| Hoodie Hugo, längs gefaltet | 1,48 m | Formel 1,59 m Plan 1,78 m 19 cm zu wenig | Formel 2,02 m Plan 2,20 m 18 cm zu wenig |
| Hoodie Hugo, eine Lage | 1,48 m | Formel 1,59 m Plan 1,53 m 6 cm zu viel | Formel 2,02 m Plan 2,00 m 2 cm zu viel |
| Chino Charlie, längs gefaltet | 2,31 m | Formel 2,48 m Plan 2,32 m 16 cm zu viel | Formel 3,15 m Plan 2,53 m 62 cm zu viel |
| Chino Charlie, eine Lage | 1,60 m | Formel 1,71 m Plan 2,09 m 38 cm zu wenig | Formel 2,18 m Plan 2,32 m 14 cm zu wenig |
| Hemd Simon, längs gefaltet | 2,06 m | Formel 2,21 m Plan 2,12 m 9 cm zu viel | Formel 2,81 m Plan 2,55 m 26 cm zu viel |
| Hemd Simon, eine Lage | 1,61 m | Formel 1,73 m Plan 1,74 m 1 cm zu wenig | Formel 2,20 m Plan 2,28 m 8 cm zu wenig |
Umgekehrt geht es genauso schief. Das T-Shirt braucht gefaltet auf 140 cm 1,42 m. Die Formel sagt für 150 cm 1,33 m, der Plan bleibt bei 1,42 m: 9 cm zu wenig. Beim Hoodie macht sie aus 1,78 m auf 140 cm 1,66 m für 150 cm, gebraucht werden 1,48 m: 18 cm zu viel.
Warum die Formel danebenliegt: Teilebreite gegen Stoffbreite
Längs gefaltet hast du nur die halbe Breite: 75 cm bei 150 cm Stoff, 70 cm bei 140 cm und 55 cm bei 110 cm. Entscheidend ist, ob die großen Teile in dieser Breite nebeneinander passen.
Beim T-Shirt liegen Vorder- und Rückenteil am Bruch hintereinander, jedes 65 cm lang. Ein halbes Rumpfteil ist 29 cm breit, ein Ärmel 37 cm. Auf 150 und auf 140 cm passt der Ärmel daneben, die Länge bleibt bei 1,42 m. Die 10 cm weniger Breite kosten nichts, die Formel rechnet trotzdem 10 cm dazu. Auf 110 cm ist neben dem Rumpf kein Platz mehr für den Ärmel. Er rückt ans Ende, das kostet 12 cm und nicht 52 cm, wie die Formel meint.
Beim Hoodie ist es umgekehrt. Der Raglanärmel ist 85 cm lang und 51 cm breit. Auf 150 cm liegt er gedreht unter Vorder- und Rückenteil, seine Schräge an deren Raglanschräge: 1,48 m. Auf 140 cm passt er dort nicht mehr hin und rückt nach hinten: 1,78 m. 30 cm mehr für 10 cm weniger Breite, die Formel rechnet mit 11 cm.
Bei der Chino passiert dasselbe in einer Lage. Auf 150 cm liegen die vier Beinteile nebeneinander: 1,60 m. Auf 140 cm passen sie nicht mehr in eine Reihe: 2,09 m. Die Formel sagt 1,71 m, 38 cm zu wenig. Mehr dazu im Ratgeber Wie viel Stoff für eine Hose?
Gefaltet oder offen: das wiegt oft mehr als die Breite
Auf 150 cm braucht das T-Shirt gefaltet 1,42 m, in einer Lage mit ganzen Teilen 0,75 m. Die Hose braucht gefaltet 2,31 m, offen 1,60 m. Solche Unterschiede kennt keine Umrechnung. Eine Mengenangabe auf dem Schnittmuster gilt für die Lage, mit der sie gerechnet wurde.
Rechnest du eine Angabe um, prüfe deshalb zuerst, ob sie für gefalteten oder offenen Stoff gilt, und rechne mit derselben Lage weiter.
Stoff mit Strich
Bei Samt, Cord, Nicki oder Motiven mit Richtung müssen alle Teile in dieselbe Richtung zeigen. Der Hoodie braucht dann gefaltet 2,31 m, 1,91 m und 1,71 m auf 110, 140 und 150 cm, statt 2,20 m, 1,78 m und 1,48 m. Eine Angabe für Stoff ohne Strich lässt sich also nicht auf Stoff mit Strich umrechnen, auch nicht bei gleicher Breite. Wie viel der Strich kostet, steht im Ratgeber Stoff mit Strich.
Wofür die Fläche taugt: die Untergrenze
Als Untergrenze ist die Fläche verlässlich. Alle Teile des T-Shirts haben zusammen 0,83 m². Auf 150 cm Stoff mit 148 cm nutzbarer Breite sind das mindestens 0,57 m, auch wenn die Teile lückenlos lägen. Ein kürzerer Rest reicht sicher nicht.
Die echten Pläne liegen deutlich darüber. Auf 150 cm in einer Lage: T-Shirt 0,75 m statt mindestens 0,57 m, Hoodie 1,48 m statt 1,03 m, Hose 1,60 m statt 1,10 m, Hemd 1,61 m statt 1,22 m. Zwischen runden Formen bleibt immer Stoff übrig.
So rechnest du richtig um
- Steht auf dem Schnittmuster eine Angabe für deine Breite, nimm diese. Viele Tabellen nennen 110, 140 und 150 cm getrennt.
- Musst du umrechnen, nimm die Formel nur als Schätzung. Prüfe dann, ob dein breitestes Teil in die Breite passt, gefaltet in die halbe.
- Achte darauf, ob die Angabe für gefalteten oder offenen Stoff gilt und ob dein Stoff einen Strich hat.
- Hast du die Schnittteile als Datei, rechne den Plan auf deiner Breite direkt aus. In PatternNest wählst du unter „Stoffbahn“ die Bahnbreite und klickst auf „Plan berechnen“.
- Schlag Reserve für Einlaufen, Musterabgleich und Schnittfehler getrennt dazu.
Herunterladen und nachrechnen
Die .pnest-Dateien enthalten Teile und Einstellungen für den gefalteten Zuschnitt. Öffne sie in PatternNest mit „.pnest öffnen“ und klicke auf „Plan berechnen“. Braucht eine Lage weniger Stoff, zeigt PatternNest zuerst diesen Plan mit einem Hinweis. Mit „Lieber gefaltet zuschneiden“ kommst du zum gefalteten Plan aus der Abbildung. Die SVG-Dateien sind die gefalteten Zuschneidepläne im Maßstab 1:1. Die Pläne für die Hose findest du im Hosen-Ratgeber.
- T-Shirt, 110 cm: Projekt (.pnest)
- T-Shirt, 110 cm, gefaltet: Zuschneideplan (SVG)
- T-Shirt, 140 cm: Projekt (.pnest)
- T-Shirt, 140 cm, gefaltet: Zuschneideplan (SVG)
- T-Shirt, 150 cm: Projekt (.pnest)
- T-Shirt, 150 cm, gefaltet: Zuschneideplan (SVG)
- Hoodie, 110 cm: Projekt (.pnest)
- Hoodie, 110 cm, gefaltet: Zuschneideplan (SVG)
- Hoodie, 140 cm: Projekt (.pnest)
- Hoodie, 140 cm, gefaltet: Zuschneideplan (SVG)
- Hoodie, 150 cm: Projekt (.pnest)
- Hoodie, 150 cm, gefaltet: Zuschneideplan (SVG)
- FreeSewing-MIT-Lizenz
So sind die Zahlen geprüft
Jeder Plan hat PatternNests Prüfung an den echten Konturen bestanden: keine Überlappung, mindestens 1 cm Abstand, alles auf dem Stoff. Außerdem habe ich die Pläne gegeneinander gehalten: breiterer Stoff nie länger als schmalerer, mit Strich nie kürzer als ohne, keiner kürzer als die Flächengrenze. 204 Gegenproben, keine verletzt. Gerechnet mit dem Stand von PatternNest, der am 29. Oktober 2026 online war.
Weiterlesen
Wie Stofftabellen gemeint sind und wann eine Auslegeprobe hilft, steht unter Stoffverbrauch planen mit Tabelle und Auslegeprobe. Für ganze Kleidungsstücke gibt es die Ratgeber Wie viel Stoff für eine Hose?, Wie viel Stoff für ein Kleid? und Stoffverbrauch für einen Hoodie. Wie sich die Breite beim Zuschnitt mehrerer Shirts auswirkt, zeigt Stoffbreite beim Serienzuschnitt. Reicht ein Rest nicht, hilft Stoff reicht nicht.
Quellen
FreeSewing Teagan ("cisFemaleAdult36", Halsstreifen 6 × 58 cm), Hugo, Charlie und Simon ("cisMaleAdult42"), je 10 mm Nahtzugabe, exportiert mit FreeSewing 4.10.2. Entwurf und Code Joost De Cock, MIT-Lizenz. Layoutberechnung und Artikel: Cayan / Madegrain.