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Schnittteile auflegen: Zuschnittplan selbst erstellen

Ein Zuschnittplan ist die Reihenfolge, in der du Schnittteile auf den Stoff legst, und ein paar Regeln, die dabei gelten. Hier stehen diese Regeln einzeln, mit einem freien T-Shirt-Schnitt auf drei Stoffbreiten durchgerechnet. Am Ende zeige ich, wie du den Plan für deine eigene Breite mit PatternNest berechnest.

Vorbereiten: Stoff, Breite, rechte Seite

Wasch den Stoff so, wie du später das fertige Teil waschen willst, und bügel ihn glatt. Läuft er erst nach dem Zuschnitt ein, stimmt kein Plan mehr.

Miss die nutzbare Breite von Webkante zu Webkante, ohne die festen oder gelochten Ränder. Steht auf dem Etikett 150 cm, bleiben oft 146 bis 148 cm. Mit dieser Zahl planst du.

Such die rechte Seite. Bei glatten Stoffen sieht man sie kaum. Dann markierst du sie mit Kreide oder einem Stück Klebeband, bevor du faltest.

Fadenlauf: der Pfeil liegt parallel zur Webkante

Jedes Schnittteil hat einen Fadenlaufpfeil. Er muss parallel zur Webkante liegen. Leg das Teil auf und miss von beiden Pfeilenden zur Webkante. Sind beide Abstände gleich, liegt es richtig.

Liegt ein Teil schief, verdreht sich später die Naht. Seitennähte wandern nach vorn, Hosenbeine drehen sich um das Bein. Bei Jersey folgt der Pfeil den Maschenrippen, die Dehnung läuft quer.

Manche Teile liegen absichtlich anders. Quer zum Fadenlauf heißt: der Pfeil zeigt von Webkante zu Webkante, so wie beim Halsstreifen im Beispiel unten. Schräg heißt: 45 Grad, etwa für Schrägband oder Einlage im Kragen.

Um 180 Grad drehen darfst du jedes Teil, der Fadenlauf bleibt dabei gleich. Nur bei Stoff mit Strich oder Motivrichtung geht das nicht, dazu weiter unten mehr.

Stoffbruch: halbe Teile an die Faltkante

Teile mit dem Vermerk im Bruch sind nur zur Hälfte gezeichnet. Du faltest den Stoff längs, Webkante auf Webkante, und legst die gerade Mittelkante des Teils genau an die Faltkante. Beim Schneiden schneidest du die Faltkante nicht auf. Aufgeklappt hast du ein ganzes, symmetrisches Teil.

Die Kante muss wirklich am Bruch liegen. Rutscht sie ein Stück nach innen, schneidest du durch die Faltkante und hast zwei Hälften statt eines Teils. Steck die Bruchkante deshalb zuerst fest und leg erst dann den Rest des Teils glatt.

Du musst nicht über die ganze Breite falten. Brauchst du nur einen schmalen Bruch, schlägst du eine Webkante gerade so weit ein, wie das breiteste Bruchteil es braucht. Daneben bleibt eine Lage für die übrigen Teile. Wie das geht, steht im Ratgeber Stoff reicht nicht.

Rechts auf rechts und gegengleiche Teile

Gefaltet wird meist rechts auf rechts, die rechte Seite liegt innen. Dann markierst du auf der linken Seite, und die Kreide bleibt später unsichtbar.

Schneidest du ein Teil durch beide Lagen, bekommst du zwei gegengleiche Teile, also einen linken und einen rechten Ärmel. Steht auf dem Schnitt 2× zuschneiden, legst du es auf gefaltetem Stoff einmal auf.

In einer Lage geht das nicht von selbst. Dort schneidest du das Teil einmal zu, drehst das Schnittteil um, bedruckte Seite nach unten, und schneidest das zweite. Der häufigste Fehler ist, zweimal dieselbe Seite zu schneiden.

Motivrichtung und Strich

Samt, Cord, Nicki, Webpelz und Drucke mit Richtung sehen je nach Richtung anders aus. Dann müssen alle Teile mit dem oberen Ende zum selben Ende der Stoffbahn zeigen. Um 180 Grad drehen fällt weg, und das kostet Stoff.

Beim Beispiel-Shirt unten macht es gefaltet auf 110 cm 1,67 m statt 1,54 m, in einer Lage auf 150 cm 0,82 m statt 0,75 m. Auf 140 und 150 cm gefaltet ändert es nichts. Wie viel der Strich bei anderen Schnitten kostet, steht im Ratgeber Stoff mit Strich.

Reihenfolge: erst der Bruch, dann groß, dann die Lücken

Schneidest du das erste Teil, bevor alle liegen, fehlt am Ende oft genau für das letzte Teil der Platz.

  1. Leg zuerst alle Teile an, die an den Stoffbruch gehören. Ihr Platz ist festgelegt.
  2. Dann kommen die größten übrigen Teile, jedes mit dem Fadenlauf geprüft.
  3. Kleine Teile wie Belege, Taschen und Streifen füllen die Lücken.
  4. Erst wenn alles liegt, feststecken oder beschweren. Zähl dann nach: Stimmen Stückzahl und Paare mit der Zuschnittliste des Schnitts?
  5. Schneid erst danach, von einem Ende der Bahn zum anderen, und übertrag Knipse und Markierungen gleich.

Den Auflegeplan im Schnittmuster lesen

Wie weit die Schätzung danebenliegen kann, zeigt der Ratgeber Stoffbreite umrechnen.

Viele gekaufte Schnitte haben Auflegepläne: kleine Skizzen für jede Stoffbreite, oft getrennt nach Modell, Größengruppe und Stoff mit oder ohne Strich. Die Legende sagt, welche Kante der Bruch ist und welche Teile mit der bedruckten Seite nach unten liegen. Die Nummern gehören zur Teileliste.

Ein Auflegeplan gilt für die Breite, für die er gezeichnet ist. Auf einer anderen Breite passen Teile, die nebeneinander lagen, nicht mehr nebeneinander, oder es bleibt ein breiter Streifen übrig. Beim Beispiel-Shirt liegt gefaltet auf 150 und 140 cm der Ärmel neben dem Rumpf, beide Male 1,42 m. Auf 110 cm ist dort kein Platz mehr, er rückt ans Ende: 1,54 m.

Eine Lage verhält sich wieder anders: 0,75 m auf 150 cm, 0,86 m auf 140 cm, 1,16 m auf 110 cm. Fehlt deine Breite im Schnitt, ist eine Umrechnung über die Fläche nur eine Schätzung.

Das Beispiel: das T-Shirt Teagan

Teagan ist ein offener T-Shirt-Schnitt von FreeSewing, entworfen und programmiert von Joost De Cock, unter MIT-Lizenz. Ich habe ihn mit FreeSewing 4.10.2, FreeSewings Beispielmaßen cisFemaleAdult36 und 10 mm Nahtzugabe als SVG exportiert. Vorder- und Rückenteil werden im Bruch zugeschnitten, der Ärmel zweimal gegengleich. Den Halsstreifen gibt FreeSewing nur mit seinen Maßen an, 6 × 58 cm quer zum Fadenlauf. Ich habe ihn als eigene Datei gezeichnet.

Ich entwickle PatternNest, mit dem die Pläne unten berechnet sind. Der Artikel steht in keiner Verbindung zu FreeSewing.

Die Schnittteile des Teagan-T-Shirts: Vorderteil und Rückenteil je einmal im Bruch, Ärmel zweimal gegengleich, Halsstreifen 6 mal 58 cm quer zum Fadenlauf.
Die vier Schnittteile. Gestrichelt die Kante, die an den Stoffbruch kommt. Zum Vergrößern auf das Bild tippen.

Der Plan auf 150 cm

Stoffbreitelängs gefalteteine Lagegefaltet, mit Stricheine Lage, mit Strich
110 cm1,54 m1,16 m1,67 m1,37 m
140 cm1,42 m0,86 m1,42 m0,94 m
150 cm1,42 m0,75 m1,42 m0,82 m

Gerechnet mit 1 cm Rand an den Webkanten und 1 cm Abstand zwischen den Teilen.

Vorder- und Rückenteil liegen mit der Mittelkante am Bruch hintereinander, jedes ist 65 cm lang. Der Ärmel ist 37 cm breit und passt neben das Vorderteil, ein halbes Rumpfteil ist nur 29 cm breit. Er liegt einmal auf beiden Lagen und ergibt so das Paar. Der Halsstreifen kommt einlagig ans Ende, quer über die ganze Breite.

Das ergibt 1,42 m. In einer Lage, mit Vorder- und Rückenteil ganz aufgeklappt, liegen die großen Teile nebeneinander, und es sind nur 0,75 m. Dafür schneidest du jedes Teil einzeln und brauchst Vorder- und Rückenteil als ganzes Schnittteil.

Zuschneideplan für das Teagan-T-Shirt auf 150 cm, längs gefaltet: Vorder- und Rückenteil am Bruch, Ärmel darunter, Halsstreifen einlagig am Ende, 1,42 m.
Längs gefaltet auf 150 cm. Die Länge läuft von links nach rechts, oben ist der Bruch. Zum Vergrößern auf das Bild tippen.
Drei Zuschneidepläne für Teagan, längs gefaltet: 110 cm breit 1,54 m, 140 cm 1,42 m, 150 cm 1,42 m.
Dasselbe auf drei Breiten. Auf 110 cm wandert der Ärmel ans Ende. Zum Vergrößern auf das Bild tippen.

Mit PatternNest: der Plan für deine Breite

Mit Papier und Maßband geht das alles. Willst du vor dem Stoffkauf wissen, wie viel du auf deiner Breite brauchst, rechnet PatternNest den Plan aus den Schnittteilen. So habe ich das Beispiel in der Live-App gemacht:

  1. Exportiere den Schnitt bei FreeSewing als SVG mit Nahtzugabe. Klicke in PatternNest unter Schnittteile auf Dateien wählen… und wähle die SVG-Datei und die Datei mit dem Halsstreifen.
  2. PatternNest nimmt die Zugabenlinie als Schnittkontur und listet die Teile mit ihren Maßen. Gib ihnen Namen, wenn du magst.
  3. Klicke bei Vorder- und Rückenteil auf Faltkante festlegen, wähle die gerade Mittelkante und dann Gewählte Faltkante übernehmen. Beim Ärmel hakst du Als Paar zuschneiden (gegengleich) an.
  4. Wähle unter Stoffbahn die Breite, hier 150 cm, und lass Längs gefaltet · 2 Lagen eingestellt. Klicke auf Plan berechnen.
  5. PatternNest rechnet die offene Lage mit. Ist sie kürzer, zeigt es sie zuerst: Du brauchst 0,75 m, darunter der Knopf Lieber gefaltet zuschneiden (1,42 m). Ein Klick darauf holt den gefalteten Plan.
  6. Unter Zuschneideplan-Export lädst du den Plan als PDF, SVG oder DXF herunter, oder als Projektor-PDF im Maßstab 1:1. Miss vor dem Schneiden das Prüfquadrat im Beamerbild nach, es muss 10 × 10 cm groß sein.
PatternNest nach dem Import der Teagan-SVG und des Halsstreifens: vier Schnittteile mit Maßen, Vorder- und Rückenteil mit Faltkante, Ärmel als Paar.
Die Teile nach dem Import, Faltkanten und Paar gesetzt. Zum Vergrößern auf das Bild tippen.
PatternNest mit dem Plan für Teagan auf 150 cm: Du brauchst 0,75 m, darunter der Knopf Lieber gefaltet zuschneiden (1,42 m).
Der Plan in einer Lage, mit dem Hinweis auf den gefalteten Plan. Zum Vergrößern auf das Bild tippen.
PatternNest mit dem gefalteten Plan für Teagan auf 150 cm, 1,42 m.
Nach Lieber gefaltet zuschneiden: der gefaltete Plan aus der Abbildung oben. Zum Vergrößern auf das Bild tippen.
Projektor-PDF aus PatternNest: der gefaltete Teagan-Plan auf 150 cm Breite mit Lineal und Prüfquadrat.
Das Projektor-PDF, eine Seite in Originalgröße. Zum Vergrößern auf das Bild tippen.

Was PatternNest nicht macht

PatternNest druckt keine Schnittbögen. Es kachelt den Schnitt nicht auf A4 und macht keine Datei für den A0-Druck. Für Papier brauchst du die Datei des Schnittmusters.

Es konstruiert keine Schnitte, passt keine an und ergänzt keine Nahtzugabe. Knipse, Fadenlaufpfeile und Beschriftungen kommen nicht in den Export. Behalte dein Originalschnittmuster zum Zuschneiden und Markieren.

Fadenlauf, Bruchkanten und Paare legst du selbst fest. Die berechnete Länge ist kein nachgewiesenes Minimum und enthält keine Reserve fürs Einlaufen.

Herunterladen und nachmachen

Mit der FreeSewing-SVG und dem Halsstreifen kannst du den Import selbst ausprobieren. Das .pnest-Projekt öffnest du in PatternNest mit .pnest öffnen und klickst dann auf Plan berechnen. Die Plan-SVG ist der gefaltete Plan im Maßstab 1:1.

So sind die Zahlen geprüft

Jeder Plan hat PatternNests Prüfung an den echten Konturen bestanden: keine Überlappung, mindestens 1 cm Abstand, alles auf dem Stoff. Breiterer Stoff ist nirgends länger als schmalerer, mit Strich nirgends kürzer als ohne. Gerechnet mit dem Stand von PatternNest, der am 2. November 2026 online war, und in der Live-App nachgeprüft.

Weiterlesen

Wie viel Stoff ein ganzes Kleidungsstück braucht und wie Stofftabellen gemeint sind, steht unter Stoffverbrauch planen mit Tabelle und Auslegeprobe. Reicht der Stoff nicht, auch nicht mit versetztem Bruch, hilft Stoff reicht nicht. Den Mehrbedarf bei Samt und Cord zeigt Stoff mit Strich. Wie du den Plan mit dem Beamer direkt auf den Stoff bringst, steht unter Projektornähen.

Quellen

FreeSewing Teagan, cisFemaleAdult36, 10 mm Nahtzugabe, FreeSewing 4.10.2. Entwurf und Code Joost De Cock, MIT-Lizenz. Halsstreifen nach FreeSewings Maßangabe. Layoutberechnung, Screenshots und Artikel: Cayan / Madegrain.